E-Commerce
Mit Hilfe von E-Commerce, in der Variante Business-to-Business
(B2B), können KMU Beziehungen zu Lieferanten und Abnehmern verbessern
und optimieren, Kundentreue erhöhen, Kosten einsparen und die Firmenstruktur
agiler und flexibler gestalten. Allerdings gibt es kaum geeignete
Angebote seitens der Anbieter.
PricewaterhouseCoopers führte 1999 eine Studie in einigen
APEC (Asian Pacific Economic Cooperation)-Ländern durch, in
der die Bedeutung von E-Commerce für kleine und mittlere Unternehmen
untersucht wird. Was waren die positiven Erfahrungen nach der Einführung
von E-Commerce? In der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit sind es:
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Verbesserung des Kunden-Service
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Verbesserung des Firmen-Image
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Bereitstellung eines Firmen-Informationszentrum für den
Kunden
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Verbesserung der Wettbewerbsposition der Firma
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Erhöhung der Kundentreue
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Verbesserter Zugang zu internationalen Märkten
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Erhöhung des Umsatzes
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Verringerung der Kosten für Informationsbeschaffung
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Zulieferer erhält ein Firmen-Informationszentrum im Internet
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Potentielle Investoren werden auf Firma aufmerksam
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Verringerung von Verwaltungskosten
Beim E-Commerce unterscheiden wir zwischen
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Business-to-Consumer oder B2C: Direktverkauf an den Endverbraucher
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Business-to-Business oder B2B: Transaktionen innerhalb der
Wertschöpfungskette, z.B. zwischen Fabrikanten und Zulieferer,
zwischen Exporteur und Importeur
Ohne Zweifel ist B2B weitaus wichtiger als B2C, was allein schon
durch die Statistiken belegt wird. Fertigungsunternehmen verkaufen
zudem so gut wie nie an den Endverbraucher. B2B hat die Aufgabe,
die Transaktionskosten zu verringern, den vorhandenen Kunden einen
besseren Service zu liefern, die Unternehmensorganisation zu verbessern
oder - ganz allgemein gesagt: Die Beziehungen zu Kunden und Zulieferern
kontinuierlich zu verbessern. E-Commerce versteht sich in diesem
Sinne als Managementinstrument für Qualitätssicherung,
Produktionsinnovation und Optimierung der Wertschöpfungskette.
Beratungsfirmen in den Entwicklungsländern versuchen normalerweise,
reine B2C-Lösungen an die KMU zu verkaufen, wobei sie die Illusion
verbreiten, dass die Unternehmen durch Eingabe ihres Firmennamens
und ihrer Produkte in die Suchmaschinen Yahoo und Altavista ihren
Umsatz deutlich erhöhen könnten. Den Exporteuren werden
die Implementierung eines "Warenkorbs" und die Zahlung
per Kreditkarte empfohlen. Nichts könnte realitätsfremder
sein.
Manchmal wird den KMU empfohlen, als B2B-Lösung "elektronische
Marktplätze", "exchanges" oder Portale zu benutzen.
Diese Modelle arbeiten wie Börsen oder Versteigerungen von
Produkten. Dieser Weg bietet wenig Vorteile für die KMU - ,
zumindest sollte er keinen Ersatz für individuelles Auftreten
im Internet darstellen
In den meisten Entwicklungsländern besteht kein Angebot von
angepassten und realistischen B2B-Lösungen für KMU. Die
Beratungsfirmen arbeiten ausschliesslich mit grösseren lokalen
Unternehmen, denen sie B2C-Lösungen oder umfangreiche Websites
installieren. Die Qualität ist generell gering. Die kleineren
und mittleren Unternehmen haben keinerlei Kenntnisse über Internet
und E-Commerce; die Beratungsfirmen hingegen verstehen nicht die
Bedürfnisse dieses Marktsegmentes - zwischen beiden Parteien
gibt es keine Kommunikation.
In dieser Situation ist es die Aufgabe der nationalen Förderinstitutionen,
durchaus mit Unterstützung von internationalen Entwicklungsorganisationen,
einen Markt für entsprechende Dienstleistungen zu schaffen.
Bis sich solch ein Markt mit angepassten Lösungen etabliert
hat, ist eine teilweise Subventionierung von KMU und die Erarbeitung
vom Pilotmodellen durchaus vertretbar. Die Firmen sollten aber zwischen
30% und 50% der Kosten tragen. Es ist nicht empfehlenswert, dass
nationale Institutionen diese Dienstleistungen anbieten, da sie
nicht die Expertise besitzen, normalerweise nicht auf Kundenwünsche
oder -bedürfnisse eingehen und dadurch die Herausbildung eines
marktgerechten und nachhaltigen Dienstleistungsangebots behindern.
In Peru habe ich ein E-Commerce-Programm für KMU implementiert;
die Methodologie wurde im Februar 2001 mit ISO 9000 zertifiziert.
Sie können die E-Commerce-Broschüre
sowie entsprechende Auszüge aus dem Qualitätsmanagement-Handbuch
des Projektes (nur auf Spanisch) lesen. Um die KMU über
die Vorteile von Internet und B2B zu informieren und um gleichzeitig
den Anbietern den Weg zu zeigen, wurden zwei Prototypen
entwickelt (jeweils für eine Bekleidungs- und ein Fischereiunternehmen).
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